Sirene (Gerät)

Mechanische Sirene
Mechanische Sirene

Eine Sirene ist eine Einrichtung zur akustischen Alarmierung oder Warnung
, in der Regel durch einen charakteristischen an- und abschwellenden Heulton
.

Im öffentlichen Bereich werden Sirenen für die Alarmierung
der Feuerwehr oder für die Warnung der Zivilbevölkerung im Katastrophenfall verwendet, im privaten und gewerblichen Umfeld hauptsächlich als Brand- oder Einbruchsalarm eingesetzt.

Inhaltsverzeichnis


Bauarten

Es gibt mechanische, pneumatische und elektronische Sirenen.


Mechanische Sirene

Blick unter das Schutzdach einer Motorsirene (Typ E57)
Blick unter das Schutzdach einer Motorsirene (Typ E57)

Bei einer mechanischen Sirene (auch Motorsirene) wird eine schaufelradähnliche Trommel (der sogenannte Rotor) durch einen Elektromotor gedreht. Um diese Trommel ist ein unterbrochenes Gehäuse (der sogenannte Stator) angeordnet. Durch das Drehen der Trommel wird der entstehende Luftstrom laufend abgeschnitten und erzeugt einen Ton. Die Tonhöhe hängt von der Drehzahl und der Zahl der Schaufeln, den sogenannten Ports der Trommel ab.

Die Tonhöhe einer Sirene wird folgendermaßen berechnet:

(Drehzahl in 1/min / 60s/min) * Anzahl der Ports = Tonhöhe in Hz

Die hier gezeigte Motor-Sirene vom Typ E57 mit 9 Ports (deutsche Standardsirene) heult mit einer Lautstärke von 129 dB und einer Tonhöhe von 420 Hz bei 2800 Umdrehungen pro Minute. Ihr Ton reicht 6 km weit, Gegenwind senkt den Wert auf 1 bis 3 km.

In Österreich werden keine einheitlichen Sirenen verwendet, sondern den jeweiligen örtlichen Gegebenheiten angepasst.

Durch das Anlaufen und Auslaufen des Motors ergibt sich ein höher und tiefer werdender Ton. Dies kann man aber auch verhindern, indem statt einer Blechhaube, die zum Rotor einen fixen Abstand besitzt, eine Klappe, die beim Lauf der Sirene mit einem Elektromagnet abgehoben wird und beim Abschalten die Öffnung des Rotors verschließt. Solche Typen werden überwiegend in Amerika als Sirenen für Sonderalarme verwendet.

Es gibt kleine handgetriebene Sirenen, die auch bei Stromausfall verwendet werden können.

Die Sirene wurde 1819 von Charles Cagniard de la Tour erfunden.


Pneumatische Sirene

Hochleistungssirene der Firma Pintsch-Bamag
Hochleistungssirene der Firma Pintsch-Bamag

Pneumatische Sirenen, auch Hochleistungssirenen (HLS) genannt, erzeugen ihren Ton ähnlich einer Motorsirene durch zyklische Unterbrechung des Luftstroms. Dazu wird aus einem Vorratsbehälter unter dem Sirenenmast Druckluft mit etwa 16 bar durch einen elektromotorgetriebenen Rotor im Sirenenkopf geleitet.

Der Vorteil dieser Lösung besteht einmal im sofort verfügbaren Druckluftvorrat, der von einem Dieselaggregat kontinuierlich wieder aufgefüllt wird, und andererseits in der sehr viel größeren Leistung dieses Sirenentypes. Bei einem Modell mit einer Kopfhöhe von 20 Metern beträgt der Schalldruck
am Boden 20 Meter von der Sirene entfernt etwa 145 dB und der Ton ist noch in einer Entfernung von 12 km zu hören. Die "Weckentfernung" beträgt, je nach Wind, zwischen 6 und 8 Kilometern.

In den Jahren ab 1990, also nach dem Kalten Krieg, wurden in Deutschland viele dieser Sirenen aufgrund der hohen Wartungskosten und des verminderten Anforderungsprofiles durch elektronische Varianten ersetzt oder ersatzlos entfernt.


Elektronische Sirene

Elektronische Sirene
Elektronische Sirene

Elektronische Sirenen erzeugen den Ton mit einem Lautsprecher und einem elektronischen Verstärker. Mit einer Steuerung kann man ebenfalls das Auf- und Abschwellen der mechanischen Sirene nachempfinden.

Der Vorteil der elektronischen Sirene ist, dass es keine bewegten Teile gibt. Sie ist leichter und benötigt weniger Strom. Durch einen Akku, der durch Fotovoltaik oder über das Stromnetz geladen werden kann, ist die Sirene auch resistent gegen Stromausfälle. Außerdem kann man die einzelnen Schalltrichter in gewünschte Richtungen drehen und so bestimmte Gebiete besser oder schwächer beschallen.


Verwendungszwecke


Alarmierung der Feuerwehr

In vielen, meist ländlich geprägten Gebieten alarmieren
Sirenen nach wie vor ehrenamtliche Kräfte der Feuerwehr zu ihren Einsätzen (auch als "laute Alarmierung" bezeichnet). Gerade in Städten und dichter besiedelten Regionen jedoch gehen immer mehr Feuerwehren dazu über, auf die sogenannte "Stille Alarmierung" beispielsweise mittels Funkmeldeempfänger
und vereinzelt auch per SMS umzustellen.

Nachteile der Sirene bei der Alarmierung von Rettungskräften sind die große Lärmbelästigung der nicht beteiligten Bevölkerung, das Anlocken von Schaulustigen und die von der Witterung (besonders Wind) abhängige zu geringe oder zu große akustische Reichweite. So kann es vorkommen, dass die Sirene selbst im eigenen Ort nicht überall gehört wird oder umgekehrt der Schall so weit getragen wird, dass er gleich in mehreren Orten die Feuerwehrleute aufschreckt, da eine genaue Ortszuordnung nur schwer möglich ist.


Warnung der Bevölkerung im Katastrophenfall

Ein flächendeckendes, zentral gesteuertes Sirenennetz bietet eine einfache und kostengünstige Möglichkeit, die Zivilbevölkerung bestimmter Regionen auf Gefahren wie etwa Hochwasser, Chemie- oder Reaktorunfall (ABC-Alarm), etc. mit bestimmten Signalfolgen hinzuweisen. Die Alarmierung erfolgt in der Regel rascher als eine Warnung über die Medien, lässt sich örtlich besser eingrenzen und erreicht auch Personen, die gerade keine Rundfunkmedien empfangen.


Deutschland

Das Sirenennetz aus fast 100.000 Sirenen in Deutschland wurde in den 1990er Jahren aus Kostengründen abgebaut (Wegfall der Warnämter des Zivilschutz-Warndienstes) und nur noch wenige für die Feuerwehr-Alarmierung stehen gelassen. Seitdem gibt es kein flächendeckendes System für Alarmierung der Bevölkerung – abgesehen von Warnmeldungen, die über Radio und Fernsehen verbreitet werden können. Dies wird inzwischen vielfach als Fehler angesehen, da die Warnmöglichkeit durch Sirenen damit auch für zivile Großschadensfälle verloren gegangen ist. Heute verfügen nur noch wenige deutsche Großstädte über ein intaktes Sirenenetz, das sich aus HLS zusammensetzt. Dazu gehören unter anderen Köln und Darmstadt. Allerdings entschließen sich immer mehr Städte dazu, wieder Sirenen aufzubauen, u.a. Passau und Augsburg. Anders ist die Situation in vielen Landkreisen. Hier gibt es zum Beispiel im Kreis Steinfurt nach wie vor ein zusammenhängendes Sirenennetz, das jeweils am ersten Samstag im Monat getestet wird. Bis zum Ende des kalten Krieges wurden die Sirenen zweimal jährlich bei einem Probealarm getestet. Dieser fand jeweils an einem Mittwoch im März und September um ca. 10 Uhr statt. Dabei wurde zuerst ein einminütiger Dauerton, danach Luftalarm oder ABC-Alarm und schließlich noch einmal ein Dauerton ausgelöst.


Österreich

In Österreich unterscheidet man neben dem Feuerwehralarm und der Sirenenprobe drei Signale für den Zivilschutz:

  • Warnung: ein dreiminütiger Dauerton
  • Alarm: ein einminütiger, auf- und abschwellender Ton
  • Entwarnung: ein einminütiger Dauerton

Neben einer wöchentlichen Sirenenprobe (einmaliger kurzer Ton) am Samstag Mittag findet einmal jährlich, am ersten Samstag im Oktober, eine Sirenenprobe mit allen Signalen statt.


Schweiz

Das Sirenennetz der Schweiz wird nur im Falle von Naturkatastrophen verwendet und besteht aus über 7.750 Sirenen. Die Aktivierung erfolgt ferngesteuert von den Zentralen aus. Die Alarmsysteme sind so eingerichtet, dass rund 99 Prozent der Bevölkerung sie hören können. Bewohner abgelegener Orte können via Telefonnetz gewarnt werden.

Man unterscheidet folgende Alarmtypen:

  • Allgemeiner Alarm: regelmäßig auf und absteigender Ton der Sirenen. Er dauert eine Minute und wird nach einem Unterbruch von zwei Minuten wiederholt. Informationen zum Verhalten sind aus Radio oder TV zu erhalten.
  • Wasseralarm: besteht aus zwölf tiefen Dauertönen mit einer Länge von 20 Sekunden mit einem Unterbruch von 10 Sekunden dazwischen. Zuvor wird allerdings immer zuerst der allgemeine Alarm ausgelöst. Bei Ertönung dieses Alarms ist das Gebiet sofort zu verlassen.

Das Ende der Gefahr wird durch Radio oder durch die örtlichen Behörden bekanntgegeben.

Die Sirenen werden jedes Jahr am ersten Februarmittwoch zwischen 13:30 Uhr und 14:00 getestet und dabei der "allgemeine Alarm" ausgelöst. In wassergefährdeten Gebieten wird zusätzlich zwischen 14:15 und 15:00 der "Wasseralarm" ausgelöst.


Neue Alternativen

Als alternative Möglichkeiten zur Alarmierung im Katastrophenfall werden verschiedene technische Möglichkeiten diskutiert, die einen möglichst großen Anteil der Bevölkerung erreichen sollen. Ihnen gemeinsam ist, dass weit verbreitete Haushaltsgeräte (Radiowecker, Telefon, Radio, Rauchmelder) über ein Funksignal aktiviert werden und somit auch im ausgeschalteten Zustand als Warneinrichtung dienen können.


Andere Verwendungszwecke

Sirenen, sowie auch Druckluftpfeifen, werden gelegentlich von größeren Firmen eingesetzt, um Arbeitsbeginn und Pausenzeiten anzuzeigen.

In Unternehmen, aber vermehrt auch auf privaten Häusern werden kleine Sirenen in Verbindung mit Alarmanlagen
gegen Einbruch oder Feuer montiert.

Auch bei Kraftfahrzeugen werden die Alarmanlagen mit einer elektronischen Sirene verwendet.

In manchen Ländern wird eine Alarmsirene auch auf Einsatzfahrzeugen
allein statt des Folgetonhorns
oder kombiniert mit diesem verwendet.


Literatur

  • Sicherheitsanalyse für Gewerbebetriebe, von Adam Merschbacher, VdS-Verlag ISBN 3-936050-04-X
  • Sicherheitsanalyse für Haushalte, von Adam Merschbacher, VdS-Verlag ISBN 3-936050-03-1

Siehe auch


Wikipedia

Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Sirene (Gerät)
aus der freien Enzyklopädie Wikipedia
und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation
. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren
des Artikels Sirene (Gerät) verfügbar.

Wichtiger Hinweis!

Die Beiträge bei www.zentrale-deuscher-kliniken.de im Bereich Medizin-Lexikon dienen der allgemeinen Weiterbildung. Sie können und sollen in keinem Falle die ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung ersetzen. Dies gilt insbesondere für die Beschreibungen von Erste-Hilfe-Maßnahmen, diese ersetzen auf keinen Fall den Besuch eines Erste-Hilfe-Kurses und das praktische Üben der Maßnahmen.

Das Medizinlexikon unter www.zentrale-deuscher-kliniken.de wird offen und ohne direkte redaktionelle Begleitung und Kontrolle bereitgestellt. Auch wenn fast alle Teilnehmer ständig daran arbeiten, die Beiträge zu verbessern, ist es möglich, dass tendenziöse, falsche, unvollständige oder verkürzte Angaben gemacht werden. So könnten auch die Gesundheit gefährdende Empfehlungen in die Texte geraten. Darüber hinaus hat medizinisches Personal Zugang zu weiterführenden Informationen, die der breiten Öffentlichkeit u.a. aus rechtlichen Gründen nicht zur Verfügung stehen oder entsprechende Vorkenntnisse voraussetzen.

Nehmen Sie niemals Medikamente (auch keine Heilkräuter) ohne Absprache mit Ihrem Arzt oder Apotheker ein!

Sie sollten daher die hier bereitgestellten Informationen niemals als alleinige Quelle für gesundheitsbezogene Entscheidungen verwenden. Bei Beschwerden sollten Sie auf jeden Fall ärztlichen Rat einholen.